Das Jahr 2020 war außergewöhnlich.  Die Corona-Pandemie erwischte uns eiskalt und legte die Schwachstellen unserer Gesellschaft brutal offen: Die mangelnde Digitalisierung, die stockende Transformation. Doch „Not macht erfinderisch“ und so erfreuen uns viele intelligente und pragmatische Lösungen. Auch meine Kollegen von Prophet in Berlin und Zürich waren kreativ wie nie, arbeiteten mit ihren Kunden meist remote von zuhause, konnten weniger reisen und hatten mehr Zeit, um zur aktuellen Situation hilfreiche Strategien, Analysen und Texte, die ich hier noch einmal vorstellen möchte, zu schreiben.

Die zentrale Botschaft des Jahres etwa sendet mein Kollege Tobias Bärschneider: Human first. Der digitale Wandel darf eben nicht allein durch Technologie angetrieben werden, sondern es sind Menschen wie Kunden und Mitarbeiter, die im Zentrum der Transformation stehen. Um diesen Wandel umzusetzen, ist es natürlich wichtig zu wissen, was technisch möglich ist, dennoch liege im Kern des Wandels ein menschlicher Wunsch. Dort wo das Management einen „Human-centric-digitally-powered“-Ansatz umsetzt, sehen wir, so beobachtet er, positive Entwicklungen auf kommerzieller als auch motivatorischer Ebene.

Genau! Denn ein Unternehmen mag noch so digital aufgestellt sein – es besteht doch weiterhin aus Menschen, schreiben Helen Rosethorn und Bernhard Schaar. Damit eine Transformation gelingt, müssen sich auch die Menschen nachhaltig ändern, meinen die Change-Experten. Wenn man ein Führungsverhalten herausheben wolle, das die Transformation voranbringt, sei dies die Fähigkeit, die Mitarbeiter einzubinden und ihre Ideen, ihre Meinungen sowie ihr Feedback für die Transformation zu nutzen.

Und auch den Kunden gegenüber gilt es emphatisch zu sein. Um in die Erfolgsspur zu gelangen, sollten Marketingchefs die essentiellen Bedürfnisse ihrer Kunden genau verstehen, insbesondere in diesem Moment des kontinuierlichen Wandels. Gerade jetzt hat der „Purpose“, also die gesellschaftliche Daseinsberechtigung eines Unternehmens eine immense Bedeutung, analysieren Chiaki Nishino, Bernhard Schaar und St. John Dunne.  Der Markenzweck müsse daher neu definiert werden, allerdings sei die Neugestaltung des Marketings zur Bewältigung der unmittelbaren Herausforderungen eine komplexe, individuelle Aufgabe. Doch die Arbeit lohnt sich, meinen Marisa Mulvihill und Alexander Beutel: So können Marken für ihre Kunden auf authentische Weise relevant bleiben, ihrer Verantwortung gerecht und kommen gestärkt aus der Krise.

Und nun wieder etwas leichter. Einen witzigen Text hat Jonathan Chajet geschrieben. Er hat sich darüber Gedanken gemacht, wie man „Teeküchenmomente“ – also das spontane, lockere Gespräch zwischen Kollegen -in Zeiten des Home Office digitalisieren kann. Jonathan schlägt virtuelle Coffee-Dates, digitale Konzerte oder Spielabende vor. Nicht lange nachdenken, sondern einfach ausprobieren, rät Jonathan nach dem Startup-Motto „Better done than perfect“.

Auch mein Kollege Jan Döring hat häufig mit Kunden, Kollegen und Freunden gesprochen, um neue Trends zu entdecken und Antworten für die Zeit danach zu finden. Seine Prognose: Wenn wir es endlich schaffen, den Virus zu besiegen, daraus zu lernen und nicht wieder in die alte Normalität zurückzufallen, können wir die „Welt doch noch retten“ – ein bewussteres und gesunderes Leben, eine entschleunigte Wirtschaft und mehr Agilität in Produktion und Service schaffen einen neuen „Kapitalismus Light“.

Das ist doch eine gute Perspektive für 2021!