Fehlende Planung, Überforderung, Angst vor Veränderung – bislang läuft die digitale Transformation in vielen Unternehmen unrund. Es ist kompliziert, eine tradierte Unternehmenskultur zu ändern und den digitalen Wandel quer über alle Hierarchien in Gang zu bringen. Dies erfordert vor allem viel Planung, Flexibilität und Eigenverantwortung der Mitarbeiter.

Neue Technologien, künstliche Intelligenz und Disruption treiben die Veränderungen in Unternehmen und Gesellschaft gnadenlos voran – mit einer Geschwindigkeit und Radikalität, die wir so noch nie erlebt haben. Doch Technologie und Algorithmen allein sind für die erfolgreiche digitale Transformation eines Unternehmens nicht alles. Noch werden Firmen von echten Managern geführt – und der Faktor Mensch ist für das Gelingen des innerbetrieblichen Wandels mindestens so entscheidend wir die richtige Technologie. „Der Wandel durch die Digitalisierung ist so grundlegend, dass wir alles in Frage stellen müssen, was wir in der Organisation haben,“ hat uns Julian Weber, Head of Retail bei Shell, in einem der über 50 Interviews, die wir für die Studie Catalysts: The Cultural Levers of Growth in the Digital Age geführt haben, gesagt.

Doch wie kann die Transformation einer betrieblichen Organisation besser vollzogen werden? Wir schaffen wir es, die Menschen emotional zu erreichen und auf den Weg der Veränderung mitzunehmen?

Unsere globale Recherche ergab, dass Strategie und Technologie allein nicht ausreichen, um die Transformation erfolgreich voranzutreiben. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Unternehmenskultur und die Erfahrung der Mitarbeiter eine elementare Rolle bei der Gestaltung des Fortschritts spielen. Egal wie digital Firmen auch sein mögen, alle Unternehmen sind menschlich. Dort arbeiten Lebewesen, und Menschen wollen überzeugt werden und neue Fähigkeiten entwickeln.

Allerdings ist die Kultur eines Unternehmens zunächst „gegeben“ und lässt sich nicht mal eben schnell mit einem Memo oder einer Ansage von oben ändern. Kultur stellt sich ein. Was die tatsächliche Unternehmenskultur ist, merkt man erst, wenn man sie ändern will, oder sie braucht, um Änderungen zu erzielen. Prozesse kann man neu definieren, neue Skills am Markt einkaufen, aber die Kultur zu ändern, das ist ein langwieriger und diffiziler Prozess.

Der wichtigste Erfolgsfaktor für eine kulturelle Transformation ist der permanente Dialog mit allen Mitarbeitern, um die Menschen von der Notwendigkeit des Wandels zu überzeugen.  Daher haben wir von der Strategieberatung Prophet ein „humanzentriertes Transformationsmodell“ geschaffen. Es besteht aus den Elementen DNA, Körper, Geist und Seele. Um die Menschen besser zu erreichen, sie für die Transformation zu begeistern und ihnen die Angst zu nehmen, müssen diese vier Elemente neu gedacht, beantwortet und ausgerichtet werden:

DNA: Werte, Marke, Strategie. Die DNA ist quasi das Grundverständnis einer Organisation. Hierzu zählen der Purpose („Wer sind wir und warum?“) sowie die Definition des Geschäftsfeldes („Was ist unser Auftrag?“). Analysiert werden sollte, wie genau sich die DNA eines Unternehmens ändern müsste, um die Transformation erfolgreich umzusetzen.

Verstand: Talent, Fähigkeiten, welche neuen Skills sollten Mitarbeiter haben, um die Transformation voranzutreiben? Es geht auch um Softskills, die wichtig sind, um in schnelllebigen Organisationen mit Unschärfen und Flexibilität umgehen zu können.

Körper: Organisation, Governance, Prozesse, Systeme, Werkzeuge. Wie muss sich die Organisation innerhalb des Unternehmens ändern, damit die Transformation verwirklicht wird? Hierzu zählen agile Strukturen und dezentrale Verantwortung.

Seele: Gedanken, Verhalten, Motivation, Symbole. Welche Denkweisen, Überzeugen und Rituale müssen angesprochen werden, damit Mitarbeiter die neuen Arbeitsmethoden annehmen, umsetzen und verinnerlichen? Wichtig ist hierbei eine neue Fehlerkultur im Unternehmen und die Bereitschaft, zum Anwalt des Kunden zu werden.

Für die Motivation der Kollegen ist es hilfreich, innerhalb des Unternehmens mitzuteilen, wie der Wandel genau funktioniert und welche neuen Erfahrungen gemacht werden. Als wichtigsten Beschleuniger der Transformation haben die befragten Manager (USA, China, Deutschland und UK) laut Studie das „Echtzeit-Storytelling“ ausgemacht – es gilt also die Erfolge und Probleme sofort zu kommunizieren. So könnten nach Meinung der befragten Führungskräfte schnell Änderungen des Verhaltens, zum Beispiel hinsichtlich Konzentration, Tempo, Risikobereitschaft und in der Zusammenarbeit, herbeigeführt werden. Und letztlich sind genaue diese Veränderungen Schlüssel zum Erfolg in einer humanzentrierten Transformation.

Zu den Studienergebnissen fand ein Webinar mit Toni Fross, Jonathan Chajet und  Tyler Durham, dessen Aufzeichnung hier angesehen werden kann.

 

 

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