Berlin, 06. Juli 2016 – Niedrige Verzinsung, starre Vertragskonditionen, fehlende Transparenz – die traditionelle Lebensversicherung entspricht nicht mehr den Wünschen der Verbraucher. Deutliche 84 Prozent der Deutschen bezweifeln, dass das Instrument Lebensversicherung noch sinnvoll für ihre Altersvorsorge ist. Und 72 Prozent der Interviewten fühlen sich von den Versicherungen in ihrer Not allein gelassen und vermuten, dass die Anbieter eher ihre eigenen Interessen sowie Provisionen im Blick haben. Das sind zentrale Ergebnisse einer Online-Umfrage der weltweit tätigen Markenberatung Prophet zum Thema „Lebensversicherungen- wie sorge ich für mein Alter vor?“, zu der im Juni 1.000 Erwachsene in Deutschland repräsentativ befragt wurden.

Vor allem die Undurchschaubarkeit der Versicherungsbranche ärgert die Verbraucher. Für 81 Prozent der Interviewten sind die Verträge der Lebensversicherungen „hochgradig intransparent“. Sie könnten weder die Provisionen und Kosten richtig nachvollziehen, noch wüssten sie wie Überschüsse und Gewinne zwischen ihnen und dem Unternehmen aufgeteilt würden. 85 Prozent der Teilnehmer der Umfrage meinen daher, dass sich die Versicherungen dringend ändern und die Bedürfnisse der Kunden ernst nehmen müssten. Dazu zählten auch neue Produkte und Lösungen für die Altersvorsorge.

„Das Ergebnis unserer Umfrage ist ein mehr als deutlicher Weckruf für die Versicherer, sich den veränderten Lebensbedingungen der Menschen anzupassen“, sagt der Berliner Prophet-Partner Felix Stöckle. Durch die niedrigen Zinsen würden viele Lebensversicherungen nicht mehr die Rendite erwirtschaften, die den Versicherten einst versprochen wurden. Wegen mangelnder Alternativen werde der Vorsorgenotstand der Menschen immer größer und sie hätten das Gefühl der Verlierer zu sein.

Die Versicherer müssten die eigene Produktpolitik überprüfen und teure Strukturen einreißen. Zudem sollten die Versicherer über neue und transparente Produkte für die Altersvorsorge nachdenken, die den individuellen Bedürfnissen der Kunden eher gerecht werden, sagt Stöckle: „Die Angebote sollten flexibler gestaltet werden, man muss bei den monatlichen Zahlungen mal Pausen machen oder auch mehr einzahlen können. Bisher sind die Produkte zu starr gestaltet, lassen sich nur unter großen Verlusten kündigen und gehen damit an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei“.

Ein Weckruf für die Versicherer

Frage: Herr Stöckle, in einer aktuellen Prophet-Umfrage meinen 85 Prozent der Teilnehmer, dass Lebensversicherungen weder kundenfreundlich seien noch ihren individuellen Bedürfnissen entsprächen. Wie können die Versicherer die Menschen mit ihren Leistungen so verärgern?

Felix Stöckle: Das Ergebnis unserer Umfrage muss man in der Tat als eine Art „Ohrfeige des Verbrauchers“ für die Anbieter und das Produkt Lebensversicherung betrachten. Es ist ein mehr als deutlicher Weckruf für die Versicherer, sich den veränderten Lebensbedingungen der Menschen anzupassen. Schon in der Vergangenheit haben viele Altersvorsorgeprodukte unter ihrer hohen Komplexität und mangelnden Transparenz gelitten. Die Branche hat es aber jahrelang geschafft, der Lebensversicherung ein Image als sichere und lukrative Altersvorsorge zu geben. In Zeiten, als es noch sechs bis sieben Prozent Rendite gab, lief das Geschäft deshalb quasi wie von selbst. Gleichzeitig wurde das Vertriebsmodell der Versicherungen ja stark durch persönliche Beziehungen geprägt. Der Versicherungsmakler war meist ein Bekannter von nebenan. Die Kunden haben den Vertretern und Maklern vertraut. Doch in einer Zeit, in der das Argument „Lebensversicherung als sichere Bank für das Alter“ wegfällt und die Renditen gerade einmal die Inflationsrate ausgleichen, überwiegen plötzlich die bekannten Nachteile und die Stimmung kippt. Nur so lässt sich das sehr heftige Urteil der Verbraucher erklären.

Frage: Gerade die Intransparenz der Verträge stört die Menschen.

Felix Stöckle: In der Vergangenheit haben die Kunden diesen Nachteil in Kauf genommen, weil sie nach 30 Jahren Laufzeit einen ordentlichen Zugewinn einstreichen konnten. Auf der anderen Seite gab es ja in der Vergangenheit ein bemerkenswertes Urteil, nach dem der Bund der Versicherten die Kapitallebensversicherung als legalen Betrug bezeichnen durfte. Solange die Rendite stimmte, haben die Kunden über die Nachteile hinweggesehen und auch mangels einfacher Alternativen über die Ausgestaltung der Produkte hinwegschauen.

Frage: Doch dann geriet der Garantiezins ins Wanken…

Felix Stöckle: Genau. Ähnlich wie bei Sparguthaben findet auch bei den Lebensversicherungen eine Sozialisierung der Verluste der Finanzkrise statt. Die europäische Zentralbank dreht den Geldhahn auf und die Anlagezinsen sinken gen Null. Viele Verträge werden daher nicht mehr die Rendite erwirtschaften, die den Versicherten einst vertraglich versprochen wurde. Das betrifft nicht nur die Altverträge, sondern ist auch für das Neugeschäft der Versicherer ein großes Problem. Durch den niedrigen Zins und mangelnde Alternativen wird der Vorsorgenotstand der Menschen immer größer und sie haben das Gefühl – egal was passiert – grundsätzlich der Verlierer zu sein.

Frage: Was sollten die Versicherer tun? Wie können Lebensversicherungen wieder attraktiv werden?

Felix Stöckle: Das ist nicht einfach. Denn an die geringe Kapitalverzinsung können die Lebensversicherer ja zunächst einmal nicht direkt beeinflussen. Hier mangelt es auch für sie an rentablen Anlageprodukten, in die die Prämien investiert werden können. Die Versicherer müssen aber die eigene Produktpolitik kritisch überprüfen und die teure Strukturen und Vertriebsmodelle überdenken. Vor allem die Struktur und Höhe der Vertriebsprovisionen muss sich ändern, um den Vertriebskostenanteil zu senken. Nur so können am Markt überhaupt noch Profite erwirtschaftet werden. Zudem sollten die Versicherer über neue, transparentere und flexiblere Produkte für die Altersvorsorge nachdenken, die den individuellen Bedürfnissen der Kunden tatsächlich gerecht werden. Die Menschen brauchen neue Lösungen für ihre Altersvorsorge. Diesen Wunsch zeigt unsere Umfrage deutlich. Die Angebote sollten allerdings viel flexibler gestaltet werden, man muss bei den monatlichen Zahlungen mal Pausen machen oder auch mehr einzahlen können. Bisher sind die Produkte zu starr gestaltet, lassen sich nur unter großen Verlusten kündigen und gehen damit an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei.

Frage: Können die Lebensversicherer von neuen Wettbewerbern wie den Fintechs lernen?

Felix Stöckle: Unbedingt. Die etablierten Anbieter können sich von den Fintechs gerade zu den Themen Kosten und Simplicity etwas abschauen. Der gesamte Vertriebsapparat muss verschlankt werden. Für welche Geschäfte brauche ich noch einen menschlichen Kontakt, welche Aspekte können auch digital gelöst werden? Und wie können Informationen so aufbereitet werden, dass sie sich dem Kunden erschließen und ihm tatsächlich helfen. Heute verliert sich der Verbraucher in Paragraphen und versteht zumeist nicht, welche Auswirkungen bestimmte Formulierungen im Kleingedruckten haben. Und auch vom Fokus auf die smarte Nutzung von Daten können die Etablierten von den neuen Wettbewerbern für ihr Risikomanagement lernen. Wir werden künftig bestimmt sehr viel mehr personalisierte Verträge haben, die sich noch stärker am individuellen Risiko des Versicherungsnehmers orientieren.

Frage: Gibt es noch eine Zukunft für das Produkt Lebensversicherung?

Felix Stöckle: Zunächst wird es darum gehen, ob sich am Kapitalmarkt absehbar überhaupt noch ein attraktiver Überschuss für die Versicherten erwirtschaften lässt. Das hat vor allem mit den Anlagestrategien und den Kostenstrukturen der Versicherer zu tun. Weitere Hebel sind wie gesagt Personalisierung und Flexibilisierung, um den veränderten Lebensbedingungen der Menschen gerecht zu werden. Eine lebenslange Anstellung gibt es eben nicht mehr, die finanziellen Verhältnisse ändern sich im Laufe der Zeit. Darauf muss ein Lebensversicherer Antworten finden, um weiter relevant zu sein.

“Lebensversicherung: Wie sorge ich für mein Alter vor?“ Die Umfrage von Prophet

1. Ich brauche eine kompetente und unabhängige Beratung für meine Altersvorsorge, fühle mich aber von Versicherungsvertretern und -maklern in meiner Not allein gelassen. Sie haben eher ihre eigenen Interessen und Provisionen im Blick.

2. Die niedrige Verzinsung der Lebensversicherungen bereitet mir Sorgen. Ich bezweifele, dass dieses Instrument für meine Altersvorsorge noch sinnvoll ist.

3. Die langen Laufzeiten und unflexiblen Bedingungen der Lebensversicherungen entsprechen nicht mehr meinen Wünschen. Diese Form der Altersfürsorge ist unflexibel und für mich zusehends unattraktiv.

4. Die Verträge der Lebensversicherungen sind für mich hochgradig intransparent. Ich kann weder die Kosten und Provisionen richtig nachvollziehen, noch weiß ich, wie Überschüsse und Gewinne zwischen der Versicherung und mir aufgeteilt werden.

5.Insgesamt erscheinen mir die Altersvorsorgeprodukte (Lebens-, Renten-, Riesterversicherungen etc.) der Versicherungen weder kundenfreundlich noch meinen Bedürfnissen entsprechend. Die Versicherungen müssen sich dringend ändern und die Bedürfnisse der Kunden endlich ernst nehmen. Dazu gehören auch neue Produkte und Lösungen für die Altersvorsorge.

 

Über Prophet

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