Berlin, 24. Mai 2016 – Fehlende Optionen, Misstrauen, mangelnder Rat – vielen Menschen bereitet die Null-Zins-Phase an den Finanzmärkten enorme Sorgen und sie vermissen eine kompetente und ehrliche Beratung ihrer Hausbank. Fast zwei Drittel der befragten Bundesbürger fühlen sich von den etablierten Banken in ihrem „Anlage-Notstand“ allein gelassen. Und 82 Prozent der Interviewten misstrauen zudem generell Empfehlungen der Banken und Vermögensberater, weil sie das Gefühl haben, dass diese eher ihre eigenen Interessen verfolgen, als die ihrer Kunden. Das sind zentrale Ergebnisse einer Online-Umfrage der weltweit tätigen Markenberatung Prophet zum Thema „Null Zinsen – Wohin mit meinem Geld?“, zu der Anfang Mai 1.000 Erwachsene in Deutschland repräsentativ befragt wurden.

Die klassischen Banken sollten sich in ihrer Geschäftspolitik dringend ändern und die Bedürfnisse der Kunden endlich ernst nehmen, fordern zudem 89 Prozent der Befragten. Dazu gehörten auch neue Produkte und Lösungen für die Null-Zins-Phase. Sie suchen einfache und transparente Anlagelösungen ohne hohe Provisionen und Kosten, wie sie zunehmend von neuen Wettbewerbern (FinTechs) angeboten werden. Allerdings geht ihnen Sicherheit bei der Anlage der Gelder weiterhin vor. Ein höheres Anlagerisiko einzugehen, um überhaupt noch eine Rendite zu erwirtschaften, wollen nur 35 Prozent der Befragten.

„Die Null-Zins-Phase selbst, können die Banken natürlich nicht lösen, haben sie aber zu weiten Teilen verursacht. Und jetzt werden sie von Ihren Versäumnissen in der Vergangenheit eingeholt“, bewertet Prophet-Partner Felix Stöckle die Ergebnisse der Umfrage. Die klassischen Hausbanken haben viel Vertrauen verspielt und müssen ihre Kunden endlich ernst nehmen. In diese Glaubwürdigkeitskrise haben sich die Banken allerdings selber gebracht. „Sie haben sich in der Vergangenheit mehr an den eigenen Provisionen als an den Bedürfnissen der Kunden orientiert. Etliche Bankberater sind zu reinen Vertriebsmanagern mutiert, die versuchen, ihren Kunden das Produkt der Woche zu verkaufen,“ so Stöckle. Eine smarte Analyse von Kundendaten und -bedürfnissen, und eine entsprechende Vertriebssteuerung, ist für viele Banken immer noch Neuland.

Darüber hinaus erwarten Kunden von ihrer Hausbank zunehmend, dass sie intelligente Informationen und Dienste digital und mobil bereitstellen. „Die Banken müssen in ihren digitalen Angeboten viel innovativer und kundenorientierter werden“, fordert Stöckle. Nur mit guten, transparenten und entscheidungskritischen Informationen könnten die Banken Vertrauen zurück gewinnen. „Der direkte Kontakt zum Berater bleibt für viele Menschen wichtig, aber ein Großteil der Beratung findet in Zukunft über digitale Kanäle statt.“

Ein Problem können die Banken für den Kunden aber wohl nicht lösen: „Natürlich spiegelt die Studie auf Kundenseite auch ein gewisses „Dusch mich, aber mach mich nicht naß“ wieder,“ stellt Stöckle fest. Rendite ohne Risiko ist in der momentanen Situation einfach nicht möglich. „Aber zumindest auf der Seite der Kosten und der Qualität der Anlageempfehlungen können die Kunden sparen. Das ist ein riesiges Einfallstor für die Fintechs, wenn es die Banken nicht selber schließen.“

Unter folgendem Link finden Sie die Umfrageergebnisse aus Deutschland zum Thema „Null Zinsen – Wohin mit meinem Geld?“

Präsentation: Umfrage Null-Zinsen Deutschland

“Null Zinsen: Wohin mit meinem Geld?” | Die Umfrage vom Prophet

Die Niedrig-Zins-Phase bereitet mir Sorgen. Ich brauche eine kompetente Beratung, wie ich mein Geld anlegen kann, fühle mich aber von den etablierten Banken allein gelassen.

Ich misstraue den Anlage-Empfehlungen der klassischen Banken und Vermögensberater, weil ich das Gefühl habe, dass diese eher ihre eigenen Interessen verfolgen, nicht meine.

Die klassischen Banken müssen sich dringend ändern und die Bedürfnisse der Kunden ernst nehmen. Dazu gehören auch neue Produkte und Lösungen für die Nullzinsphase.

Ich bin bereit ein höheres Anlagerisiko einzugehen, um überhaupt noch eine Rendite zu erwirtschaften.

Für das Investieren sind die richtigen Informationen wichtig. Banken sollten entsprechend neue Wege und Kanäle nutzen, um mir anlagerelevante Informationen zu bieten. Ich will nicht für jedes Anlagegespräch in die Bank gehen.

Neue Anbieter bieten zunehmend einfache und transparente Anlagelösungen ohne hohe Provisionen und Kosten. Ich kann mir vorstellen mein Geld auch so anzulegen.

Der Nutzungsvorteil von Big Data ist die große Chance der Bankindustrie

Frage: Herr Stöckle, die Niedrig-Zins-Phase bereitet vielen Menschen Sorgen. Sie wissen nicht mehr, wie sie ihr Geld anlegen oder für das Alter vorsorgen sollen. In einer aktuellen Umfrage von Prophet meinen 63 Prozent der befragten Bundesbürger, dass sie sich bei ihrem Anlagenotstand von den etablierten Banken allein gelassen fühlen. Eine Ohrfeige für die klassischen Häuser?

Felix Stöckle: In der Tat. Die Menschen haben ein großes Problem, weil die Finanzkrise sozialisiert wurde und die Europäische Zentralbank mit billigem Geld versucht, ständig neu auftretende Feuer zu löschen. Im Ergebnis haben Anleger keine Möglichkeit mehr, ansehnliche Renditen mit ihrem ersparten Geld zu erzielen ohne höhere Risiken einzugehen. Der Begriff „Anlage-Notstand“ trifft das Dilemma glaube ich recht gut. Was sind die Alternativen? Vor Anlagen am Aktienmarkt haben viele Menschen nach den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit große Angst. Und Investitionen in Immobilien sind ebenso riskant, weil die Preise hier vielerorts schon sehr, sehr hoch geklettert sind. Viele Banker geben in dieser Situation aus Sicht ihrer Kunden ein schlechtes Bild ab und lassen sie mit ihren Problemen allein. Aber es ist für die Banken allerdings auch schwer, in diesem volkswirtschaftlichen Umfeld sinnvolle Anlagealternativen zu entwickeln. Unsere Umfrage zeigt aber deutlich, dass die Banken sich selber in diese Situation gebracht und massiv Vertrauen verspielt haben. In den Augen ihrer Kunden müssen sie sich dringend ändern und ihre Bedürfnisse endlich ernst nehmen.

Frage:Zudem geben 82 Prozent der Befragten in der Prophet-Umfrage an, den Anlageempfehlungen der klassischen Banken und Vermögensberater zu misstrauen, weil sie das Gefühl hätten, dass viele Banker eher ihre eigenen Interessen verfolgten.

Felix Stöckle: Genau. In diese Glaubwürdigkeitskrise haben sich die Banken selbst gebracht. Sie haben sich in der Vergangenheit mehr an den eigenen Provisionen als an den Bedürfnissen der Kunden orientiert. Etliche Bankberater sind zu schnöden Vertriebsmanagern mutiert, die versuchen ihren Kunden das Produkt der Woche zu verkaufen, obwohl diese Produkte überhaupt nicht oder nur zum Teil deren Bedürfnissen entsprechen. Obwohl die Banken über Millionen von Kundendaten verfügen, haben sie diese bisher überhaupt nicht sinnvoll verbunden und genutzt. In Bezug auf CRM sind viele Banken absolute Novizen. Das rächt sich in dieser Null-Zinsen-Phase. Gerade jetzt wäre Vertrauen nötig, um den Kunden bei der Geldanlage und der Altersvorsorge neue Wege aufzuzeigen, gerade wenn es darum geht potentiell ein höheres Risiko einzugehen. Stattdessen verbrannte Erde, wohin man schaut. Das ist für Banken und Kunden gleichermaßen ein Dilemma und die schlechtmöglichste Ausgangsposition.

Frage: Die Menschen möchten von ihren Banken besser und gezielter informiert werden, nicht für jedes Gespräch um einen Termin bei der Hausbank bitten müssen.

Felix Stöckle: Die Banken wären ja froh, wenn viele Menschen überhaupt noch in ihre Filialen kämen und um einen Termin bitten würden. Aber wo Beratung drauf stand, war halt viel zu oft reiner Produktvertrieb drin. Außerdem ist es für die Banken überhaupt nicht möglich, Kleinsparern oder auch der vermögenderen Mittelschicht, eine individuelle und gleichzeitig profitable Beratung anzubieten. Das ist bei den hohen Personalkosten der Banken betriebswirtschaftlich schlicht nicht möglich. Die Kunden erwarten aber von ihrer Hausbank, dass sie ihnen entscheidungsrelevante Informationen gut aufbereitet zur Verfügung stellt. Und das zunehmend auch über intelligente Dienste im Netz oder auf dem Smartphone. Die Banken müssen also in ihren digitalen Angeboten viel innovativer werden. Durch die Nutzung von Big Data können Kunden auf eine weniger kostenintensive und intelligente Art Informationen, Beratung und Hilfe geboten werden, die ihnen das Gefühl geben, dass die Banken sich an ihren Bedürfnissen orientieren. Das gilt insbesondere für jüngere Zielgruppen. Kunden erwarten bessere Empfehlungen um überhaupt wieder Vertrauen in die klassischen Banken zu gewinnen. Das heißt aber nicht, dass der persönliche Berater in den nächsten Jahren komplett aussterben wird. Gespräche mit dem persönlichen Banker können aber z.B. auch über Skype und andere Videofunktionen geführt werden, wann und wo es für den Kunden am besten passt.

Frage:Die neuen Anbieter – die sogenannten FinTechs – sind zwar digital besser positioniert aber das Vertrauen der Kunden haben auch sie noch nicht gewonnen.

Felix Stöckle: Richtig. Die deutschen Bankkunden sind ziemlich konservativ eingestellt und gehen ungern Risiken jeglicher Art ein. In Deutschland sagt man ja auch gerne „beim Geld hört der Spaß auf.“ Kunden haben gerade bei finanziellen Angelegenheiten in der Mehrzahl immer noch gerne alles aus einer Hand und möchte dabei auf Nummer Sicher gehen. In einer weiteren Umfrage von Prophet im November vergangenen Jahres sind wir zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen: FinTechs haben die Herausforderung, dass die potentiellen Kunden nicht wissen, wer eigentlich hinter den Start-Ups steckt und ob es sie in sechs Monaten überhaupt noch gibt. Deswegen erwarten die Kunden eher, dass ihre Hausbanken für sie ähnlich innovative Anwendungen entwickeln und anbieten. Darin steckt eine große Chance für die Bankindustrie, das Feld nicht Startups zu überlassen, sondern es ähnlich wie die großen Autohersteller zu machen, die zeitgemäße Lösungen wie das Carsharing entwickeln. Und das haben die Banken mittlerweile auch erkannt. Sie befinden sich mitten in der Digitalen Transformation und sind dabei, sich neu zu erfinden. Wenn es den klassischen Banken endlich gelingt, den Kundennutzen in den Mittelpunkt ihrer Strategie zu stellen, werden sie im Wettstreit um die Bank der Zukunft als Sieger hervorgehen.

 

Über Prophet

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